Multireligiöses Friedensgebet am 24.02.2026 in Nürnberg
Aus Anlass des traurigen 4. Jahrestags des russischen Angriffs auf die Ukraine konnten wir als BRÜCKE-KÖPRÜ an der Gestaltung eines multireligiösen Friedensgebets mitwirken, das am 24.02.2026 in Zusammenarbeit mit der SinN-Stiftung (Dr. Sabine Arnold), Kirchenvertreter*innen aus der Ukraine und Mitgliedsgemeinschaften des Rats der Religionen-Nürnberg im Sofiensaal (Lorenzer Pfarrhof)stattfand.
Leitend war dabei das Zitat des polnischen Dichters Adam Zagajewski „Versuch`s, die verstümmelte Welt zu besingen“. Wie kann es möglich sein, nach 4 Jahren Krieg und unzähligen Gebeten noch Worte zu finden, die nicht längst gesagt sind oder die polarisieren und trennen? Dies gilt umsomehr auch angesichts der Erkenntnis, in welcher komplexen politischen Wirklichkeit dieser Krieg mittlerweile von vielen Menschen erlebt wird, fatal verwoben in eine spürbare Aufweichung einer von Rechtstaatlichkeit und ethischen Prinzipien geleiteten Denk- und Weltordnung in nah und fern; ein Konflikt inmitten grausamer Kriege mit unzähligen unschuldigen Opfern, von Gaza bis Teheran; ein Krieg, der auch bewusst macht, wie inmitten einer globalisierten Welt auch hier in Nürnberg all dies zusammenkommt und Menschen unmittelbar oder mittelbar betrifft, bewegt und auch emotional auslaugt!
Allein schon der Weg hin zur Vorbereitung war aufwändiger als zunächst gedacht: leitend war der Gedanke einer „gesungenen Klage“, die im Rückgriff auf die rituelle Klagelieder und Klagegebete der verschiedenen religiösen Traditionen, einen neuen, gemeinsamen Raum eröffnet: „Klage“, nicht als Resignation, sondern als eine heilsame Bewegung, die Menschen aus Vereinzelung und Sprachlosigkeit in eine Dynamik führt, die Sprache schenkt und Gemeinschaft entstehen lässt, auch wenn es keine „einfachen Lösungen“ gibt.
Zwei Vorbereitungstreffen in einem multireligiösen Vorbereitungsteam ließen die Grundideen Gestalt annehmen; eine gelungene, zum Teil auch anstrengende Suchbewegung, ein „Ringen umeinander“ auf der Suche nach angemessen Formen und Gesängen! Ein „Projektchor“ entstand; einige kurze Liedrufe wurden dafür extra ins Ukrainische übersetzt und gemeinsam mehrstimmig eingeübt.
Als Ort wurde bewusst ein spirituell „neutraler Ort“ gewählt und keine Kirche, weil dieser so oft übersehene Punkt, leicht auch eine „Übergriffigkeit“ gegenüber Vertreter*innen anderer Religionsgemeinschaften bedeutet, denen es nicht so ohne Weiteres möglich ist, in einem so eindeutig christlich geprägten Ritualraum zu beten.
Was schließlich am 24.02.2026 von vielen der Teilnehmenden, den Vorbereitenden und mitfeiernden Besuchern als enorm dicht und stimmig erlebt wurde, war bei aller Vorbereitung doch auch ein Stück weiter unverfügbar und geschenkt: Klagegebete, Totengedenken mit einem Lichterritual, jüdische, christliche, muslimische Klagelieder aus der Breite der jeweiligen Traditionen, ein buddhistisches Atemlied; … mit den gesungenen Worten aus dem Friedensgebet des Franz von Assisi („O Signore fa di me uno Instrumento della tua Pace“) zogen die Singenden des Projektchors schließlich aus dem Saal hinaus in den Raum der Stadt.