Interreligiöses Lernen ist nicht nur „Kopfsache“! Team-Kollegin Sultan Durak, die ja auch Ergotherapeutin ist, brachte die Idee in unser Planungsteam ein, über kreative, kulturüberbrückende Handarbeit und Bastelarbeiten Menschen in Begegnung miteinander zu bringen. Dabei ging es von Anfang an um mehr als „Basteln“, handwerkliches Geschick oder Können.
Bewusst wurden Themen gesucht, die kultur- und religionsübergreifende Bezüge in sich tragen. Vorbereitend wurde dabei im Team hin- und herüberlegt und auch praktisch ausprobiert, was eigentlich im Rahmen eines Nachmittags auch für „Anfänger*innern“ zu realisieren sei ohne Frusterfahrungen zu erzeugen. Klar wurde, dass es einer guten Vorbereitung und auch fachkundigen Begleitung braucht, damit der künstlerisch-kreative Raum, der hier jeweils entstehen sollte, auch Räume erschließt, sich selbst und anderen zu begegnen.
Herausgekommen ist schließlich das Angebot zu drei Freitagnachmittagen im Herbst-Winter 2025-26 mit drei ganz unterschiedlichen Inhalten, verbunden unter dem Leitbegriff „Dialog mit den Händen“. Bereits bei den Vorbereitungen wurde auch klar, dass die verschiedenen Kreativangebote zum Teil unterschiedliche Zeit in Anspruch nehmen und auch mit unterschiedlichen Materialkosten verbunden sind: Orangen und Nelken kosten weniger als Makramé-Garn und beides weniger als Porzellan und Goldpuder.
Im BRÜCKE-Programm wurden die drei Abende schließlich wie folgt vorgestellt:
31.10. Nelken und Orangen … der Liebe auf der Spur. Seit dem Mittelalter verbinden exotische Gewürze Nürnberg mit der ganzen Welt. Kommen Sie mit auf eine Entdeckungsreise mit allen Sinnen und nehmen sie einen besonderen Duft mit nachhause. (Materialkosten: 5 €)
28.11. Makramé. Knoten für Knoten
Wie schön Knoten sein können erfahren wir beim Erlernen dieser alten Knüpftechnik, deren Wurzeln bis ins maurische Andalusien zurückreichen. Wir knüpfen unser eigenes Windlicht… ein besonderes Licht für die dunkle Jahreszeit (Materialkosten: 10 €)
30.01. Kintsugi. Narben aus Gold
Mehr als eine Technik um zerbrochenes Porzellan zusammenzukleben, ist diese Kunst aus Japan. Wie auch im menschlichen Leben bleiben dabei Narben, Risse und Brüche sichtbar und dürfen sein. Am Ende halten Sie eine ganz besondere Schale in Händen (Materialkosten 15 €).
Die Rückschau lässt uns erkennen, wie unterschiedlich und zum Teil in ihren Dynamiken auch „unverfügbar“ die jeweiligen Veranstaltungen waren. Alle drei Workshops waren mit 6-10 Teilnehmenden gut besucht; dass darunter nur Frauen waren, war so nicht exklusiv beabsichtigt, ließ aber zusätzlich zum verbindenden Thema des Workshops auch unter den Teilnehmenden eine besondere Vertrautheit entstehen. Die KreativBRÜCKEN sprachen gerade auch christliche Teilnehmerinnen aus der Südstadtpfarrei an, die sonst über die Angebote wie den Strickkreis und die Klöppelgruppe ihre Gemeinde besuchen, interreligiöse Begegnungen aber sonst eher kaum bewusst suchen. Die Hoffnung, gleichsam auch ähnlich interessierte Frauen aus Moscheegemeinden zu erreichen, erfüllte sich trotz intensiver persönlicher Werbung nicht wirklich. So waren es vor allem einige jüngere muslimische Teilnehmerinnen, die u.a. Interesse am Makremé hatten.
Unerwartet stark war die Nachfrage beim Workshop Kintsugi, der gleichzeitig in der Vorbereitung, den Kosten und der Begleitung der Aufwändigste war. Während Sultan Durak die Durchführung ansonsten allein vorantwortete, war es gut, hier gemeinsam im Team mit Thomas Amberg die Veranstaltung zu begleiten. Gerade die Arbeit mit „Scherben, Brüchen und Narben“ war schließlich ein Thema, das für einige Teilnehmende auch eine intensive seelsorgerliche Dimension entfalten konnte. Bei Interesse, eine solche Veranstaltung selbst durchzuführen, verweisen wir gerade bei diesem Thema auch auf eine gewisse seelsorgerliche Verantwortung und besondere Achtsamkeit!
Damit die KreativBRÜCKEN am Freitagnachmittag zu einem Raum der Entfaltung und Begegnung werden konnte, war es wichtig, dass auch für das leibliche Wohl gut gesorgt ist: Warme und kalte Getränke, ein paar Snacks und Süßes gehörten dazu.
Damit der Fokus, neben dem Handwerklichen eben auch den Aspekt der Begegnung miteinander hinreichend erklärt, war wichtig, dass Gruppenwahrnehmung, Kennenlernrunde, Reflexion und Austausch bewusst eingeplant waren. Dazu kamen auch ein paar bewusst gesetzte „interreligiöse Impulsgedanken“, die bewusst von den jeweiligen Werkstücken ausgingen: Nelken und Orangen luden ein, den Blick auf das Geschenk unser Sinne zu richten, Riech- und Geschmacksinn als Teil unseres Geschöpfseins wahrzunehmen. Die Knotentechnik Makramé lud ein darüber nachzudenken, das nicht „Für-Sich-Bleiben“, sondern „Crossover“, Verbindungen und Kreuzungen Neues entstehen lassen: die Dynamik von Vielfalt und Verwandlung als etwas Gottgewolltes, auch in unserem Leben.
Alle drei Techniken haben eine lange Geschichte und verbinden sich mit Kulturtransfer, Globalisierung und Migration: Das lädt dazu ein, in der persönlichen Reflexion oder im Austausch untereinander auch über ähnliche Aspekte und Bewegungen in der eigenen Biographie nachzudenken. Die z.T. fordernden und neuen Techniken können auf einer Metaebene auch dazu einladen, persönlich für sich Themen wie „Herausforderungen“, „Grenzen“ oder auch „Scheitern“ in spielerisch den Blick zu nehmen.
Zufrieden blicken wir als Team auf die Reihe „KreativBRÜCKEN“ zurück. Vor allem die gewissenhafte Vorbereitung und die berufliche Erfahrung von Sultan Durak als Ergotherapeutin war ganz wesentlich für das Gelingen der jeweiligen Workshops. Weil auch viele der Teilnehmenden nach einer Fortsetzung fragten, wird es im Juni 2026 einen Workshop zum traditionellen türkischen Papiermamorieren (Ebru Sanatı) geben.