Interreligiöses „Wasser-Pilgern“ entlang der Altmühl. 14.05.2026

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Bildrechte Thomas Amberg

In Verbindung mit der digitalen Fortbildungsreihe „​Der Wert des Wassers- die Würde des Menschen“ machten sich am „Himmelfahrtstag“ ganz analog 10 Menschen auf diese besondere Wanderung entlang des Flusses Altmühl. 

Die nicht nur in religiöser Hinsicht vielfältige Gruppe traf sich auf Einladung von BRÜCKE-KÖPRÜ und „Religions for Peace“ am Bahnhof Dollnstein. Der von Thomas Amberg begleitete Weg führte über annährend 6 Stunden und gut 15 km bis zum Bahnhof Eichstätt. Wegstrecken im Schweigen, Impulsanregungen für Zweiergespräche, aber auch gemütliches Picknicken und eine abschließende Einkehr ließen den gemeinsamen Weg zu einem Pilgerweg werden. Dabei war der Fluss Altmühl unser Wegbegleiter oder vielleicht auch wir Menschen für ein paar Stunden „Begleiter*innen“ dieses gemächlich fließenden Gewässers.

Der Blick in die Jahrmillionen der Erdgeschichte, die hier im sog. Urdonautal mit seinen Felstürmen und den zahlreichen Fossilien sichtbar wird, ließ unweigerlich Momente der „Ehrfurcht vor dem Wasser“ aufkommen. Grillenzirpen und knorrige Bäume am Wegrand nahmen die Pilgernden Schritt für Schritt auch mit in ein besonderes Erleben von Zeit, ganz wie es auf einem Schild am Wegrand hieß: „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam, wenn Du es noch eiliger hast, mache einen Umweg“. Die Impulsgedanken lenkten dabei den Blick auch auf einen inneren Weg: Aus welchen Quellen gestalten wir unser Leben, im „dümpelnden“ Alltag oder auch in den „Stromschnellen“ des Lebensflusses?

Die Rast am Gipfel des Burgfelsens war für viele sicherlich ein besonderer Höhepunkt; zum Blick über die weite Flusslandschaft traten „Wasser-Texte“ aus verschiedenen, religiösen Traditionen hinzu, die von verschiedenen Teilnehmenden vorgetragen wurden: „Die Flüsse sind unsere Brüder, sie tragen unsere Kanus“. Unerwartet zogen just im Moment als dieser Text aus indianischer Tradition gelesen wurde, bunte Bote auf der Altmühl vorbei. „River flows, River grows back to the Sea“; spontan stimmte eine Mitpilgerin diesen Song aus der Tradition des buddhistischen Plum Village an.

Dorfkirchen am Weg waren nicht nur für die christlichen Teilnehmenden Einladung zum Innehalten an Taufbecken und Weihwasserbehältern; auch das muslimische Mittagsgebet fand dort im Chorraum einen würdigen Platz. Eiskalt erfrischend war die Karstquelle, in die einige Pilger sich sogar bis zu den Knien hinein wagten. Geo-Ökologin Maria Dittmann als Teilnehmerin öffnete uns dabei ganz unerwartet auch noch Blicke hinein in die faszinierende Welt des Ökosystems am Fluss und an den Kalkmagerrasen-Hängen mit ihrer Wacholderheide und seltenen Pflanzen. 

„Herr, sei gelobt, durch unsern Bruder Fluss“… ganz im Sinne von Franz von Assisis Sonnengesang… erlebten wir uns berührt am Ende dieses Tages; „Habe die Ehre“-wie man hier in Bayern sagt… ja, es war eine Ehre, die so gemächlich fließende Altmühl einen Tag lang auf ihrem Weg begleiten zu dürfen.